Chronik
unseres Heimatdorfes
Hausdorf
Grafschaft Glatz / Schlesien
Dies ist ein Auszug der Übersetzung aus dem Buch
Wśród malowniczych wzgórz nad Włodzicą: zarys dziejów miejscowości gminy Nowa Ruda
"Inmitten malerischer Anhöhen an der Walditz: Grundriss der Regionalgeschichte der Gemeinde Neurode"
von Tadeusz Bieda
Verlag „Maria“, Nowa Ruda 2007
Das Originalkapitel lautet:
"Jugow -Wies Hugona" - "Jugow - das Dorf des Hugo"
Frei übersetzt aus dem Polnischen von Klaus Hirsekorn (Ort, Bundesland) und Johannes Tautz (Ort, Bundesland) - 2010
Korrigiert und ergänzt von Gisela Hein. (Coswig, OT Cobbelsdorf, Sachsen-Anhalt) sowie Willibald Schliemann
Quellen: Schriften von Josef Fogger, herausgegeben in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts, sowie Aussagen von älteren Hausdorfern.
Geschrieben von Marianne und Günter Just (Ort, Bundesland)
Hausdorf, Dorf des Hugo (Hugisdorf)
Hausdorf ist das gröbste Dorf der Gemeinde Neurode. Es ist auch das größte Dorf im Glatzer Bergland. Das Zentrum befindet sich im Ta1 des Kuttelgrabens, des Hausdorfer Baches, welcher vom Grafenstein und Ziegenrücken fließt. Vom Norden und Nordosten ist das Dorf vom Eu1engebirge umgeben: Grafenstein (946 m), Ziegenrücken, Reimskoppe (913 m), Sonnenstein (964 m), Sonnenkoppe (944 m) und Ottenstein sowie Lierberg. In westlicher Richtung ist der geheimnisvolle Bauernberg (682 m) der letzte Gipfel der Bergkette. In östlicher und südlicher Richtung gibt es nicht so hohe Berge, sie werden sanfter und gehen ins Neuroder Ta1 über. Die Gebäude von Hausdorf liegen in einer Höhe von 630-930 m am Gebirge. Hausdorf ist eine malerische Ortschaft direkt am Fube des Eulengebirges. Im Laufe der Jahrhunderte erweiterte sich der Ort und stieg weiter ins Gebirge. Im Norden entstanden weitere Vororte d.h. Kolonien: Oberberg, Tscherschel, später Stillfriedlehne genannt, Kunterschärfe - und in Richtung Ludwigsdorf - Neumölke, im Nordosten Louisenthal, Köh1ergrund, Wenzelshain und Ehrlich. Richtung Köpprich - Liergrund, Morgenröthe, Stocknegen - und im südlichen Teil – Bittnerberg, Pferdebirken - und auch Bad Centnerbrunn gehörte zum Dorf. Der gröbte Teil dieser Namen blieb nur auf der Landkarte erha1ten. Die heutigen Einwohner bedienen sich vorwiegend der Straßennamen (auber der Hauptstrabe ), welche nach dem 2. Weltkrieg eingeführt worden sind. Die Anzahl der Höfe wurde weniger oder verödeten vollkommen z.B. Pferdebirken und Bittnerberg.
Das Dorf des Hugo (Hugisdorf)
Hausdorf wurde als Waldhufendorf angelegt. Seit 1327 nannte sich der Ort Henningswilla (später Hugowilla) und er ist somit der erste erwähnte Name. 1352 wird der Ort erstmals als Hugisdorf erwähnt. Eine weitere Benennung war Hugosdorf und seit 1446 Hausdorf. Dieser Name galt bis 1945. Danach wurden schnel1stens polnische Namen eingeführt. Der Ort wurde zunächst Domowice (aus dem deutschen Haus = polnisch Dom) genannt. 1947 wurde der Name nochmals von Domowice in Jugów geändert. Der heutige Name hat mit dem früheren Ortsnamen nichts zu tun.
Die ältesten Geschichten - Historie
Bereits im 15. Jahrhundert wurde in Hausdorf eine Glashütte betrieben. Im Jahre 1965 fand man auf dem Gebiet "Grodziskow" frühmittelalterliche Gegenstände, die darauf schließen lassen, dass eine Ortschaft schon ab dem 13. Jahrhundert dort bestand. Aus dem 19. Jahrhundert gibt es noch Unterlagen über eine kleine Befestigung am Schlangenstein (Ottenstein). Es wurden aber keine archäologischen Ausgrabungen vorgenommen, darum gibt es keine Rückschlüsse. Es kann sein, dass es sich um die Reste eines Jagdschlösschens vom Eigentümer Hausdorfs - Baron Michael von Stillfried - handelt. Die von Stillfried stammen aus dem Ritterstand, welche am längsten die Herren von Hausdorf waren.
Bereits im 13. Jahrhundert nimmt man an, dass Hausdorf ein königlich böhmisches Dorf war, welches als Lehen und Auszeichnung den Rittern übereignet wurde. Zusammen mit 5 weiteren Orten - Königswalde, Volpersdorf, Ludwigsdorf, Kunzendorf und Neurode - entstand 1252 die spätere Herrschaft Neurode. Aus dieser Zeit stammt die erste Erwähnung der Neuroder Königsdörfer: Volprechtisdorf, Cunczendorf, Hugisdorf, Ludewegisdorf und Kunigswalde. Bis 1352 war das Lehen in den Händen der Familie Wüstehube, welche das Lehen an die Familie Donin aus der Lausitz weiter verkauften. Über die Familie Donin ist wenig bekannt. Nach dem Tod von Friedrich von Donin fiel Hausdorf zusammen mit der Herrschaft Neurode als Lehen an den böhmischen König Georg von Podiebrad. Dieser schenkte die Besitzungen aus Dankbarkeit für geleistete Dienste dem Georg Stillfried-Rattonitz. Es gab eine Pfarrei, eine Kirche und eine Brettmühle. Durch die Hussitenkriege verschwanden die Pfarrer und die Pfarrei hörte auf zu existieren. 1472 übernahm Hausdorf die Familie von Stillfried. Das Dorf erweiterte sich langsam. Es gab eine hölzerne Kapelle, welche 1561 erstmals erwähnt wurde. In der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts wechselte das Dorf durch Verkauf an die Stadt Glatz wiederum seinen Eigentümer, aber nur für kurze Zeit. Hausdorf befand sich im Testament des Heinrich von Stillfried dem Älteren. In kurzer Zeit wurde die Ortschaft geteilt in Nieder- und Oberhausdorf.
Oberhausdorf: 1605 schenkte Heinrich von Stillfried seinem Sohn Hans von Stillfried Oberhausdorf als Residenz mit Gasthof. Tobias von Stillfried war sehr engagiert in den tschechischen Kriegen. Er bekam Niederhausdorf. Er diente als Offizier in Böhmen und nahm an der Schlacht am Weißen Berge teil. Er fiel 1620 in dieser Schlacht. Durch den Aufstand in der Tschechei, in der sich Heinrich engagierte, kam es zu dramatischen Auseinandersetzungen.
Heinrich wurde arrestiert und ist im Gefängnis gestorben. Seine Besitzungen wurden konfisziert. 1628 kaufte Dietrich von Haugwitz aus Pischlowitz Oberhausdorf. Niederhausdorf und Königswalde blieben in der Hand der Nachkommen der von Stillfried. Diese Teilung in die Hände zweier Familien erhielt sich über viele Jahre.
Suche nach Chancen zur Weiterentwicklung
Im Jahre 1583 eröffnete Georg (Jerzy) von Stillfried in Hausdorf eine Glashütte. Sie entstand im oberen Dorfteil, in der Umgebung der Kolonie Tscherschel (die Namen erhielten sich bis ins 20. Jahrhundert). Die Hüttenmühle existierte noch bis ins 20.Jahrhundert. Die Glashütte war wahrscheinlich aus dem 15. oder 16. Jahrhundert, nachweisbar ist dies aber nicht. 1583 übernahm der Glasmeister Hans Friedrich aus Kindelsdorf bei Landeshut (ein Dorf der Zisterzienser) die Glashütte. Er stammte aus einer berühmten Glasmacherfamilie, welche sich mit der Glasherstellung gut auskannte. Von der Glashütte und der Tätigkeit des Meisters ist nicht viel bekannt. 1614 verließ der Meister Friedrich Hausdorf und ging auf die andere Seite des Gebirges, in das tschechische Adlergebirge (Jana Sosnowka ) Friedrichswald, weil dort bessere Verhältnisse waren. Friedrich blieb Eigentümer der Hausdorfer Glashütte. Unter seinem Namen arbeitete in Hausdorf ein berühmter Hüttenmeister, Kaspar Schürer, ein Sachse, welcher früher in der Hütte von Volpersdorf beschäftigt war. Vor dem Verlassen Hausdorfs konnte Friedrich für 450 Kopeken ein Anrecht für den Bau der Glashütte, für Rodung und zur Herstellung von Pottasche (Holzasche) erwerben. Die Güter (Gut, Sagemühle, Brauerei) blieben in den Händen Friedrichs und seiner Familie bis in die 50er Jahre des 17. Jahrhunderts. Später erwarben diesen Besitz die Familien von Haugwitz, die Besitzer des Oberdorfes. Die Glasherstellung in der Hausdorfer Hütte endete aber bereits um 1620.
Erst nach dem Dreißigährigen Krieg begann ein schneller Aufschwung des Ortes. 1661 begann man mit der Produktion von Holzkohle. 1668 erwarb Bode ein Anrecht für den Bergbau. In dieser Zeit wurde Kupfererz im Liergrund abgebaut. Die älteste Kolonie Hausdorfs war der Köhlergrund - heute angegliedert an Jastrzebiec, der im 17. Jahrhundert als Siedlung für die Köhler entstand. Im nächsten Jahrhundert besiedelten Weber und später Bergarbeiter dieses Gebiet. Im 18. Jahrhundert spielten die Webereien und der Bergbau die größte Rolle. Schneller entwickelte sich Oberhausdorf unter der Familie Haugwitz. Besonders gefördert wurde der Abbau von Erz und Steinkohle durch die Herren von Haugwitz.
Die Kolonisierung in friederizianischer Zeit (Umstellung aus chronologischen Gründen)
Die schlesischen Kriege von 1740-1763 brachten größte Verluste von Menschen. Der neue Eigentümer von Schlesien, König Friedrich der Große von Preußen, stärkte und erweiterte die eroberten Gebiete. Er unterstützte die Orte mit Prämien sowie Entschädigungen. Großen Nutzen hatten die Weberorte sowie Wenzel von Haugwitz. 1773 errichtete er auf dem unteren Vorwerk den "Wenzelshain", der für 17 Kolonisten vorgesehen war. 1784 gründete sein Sohn Anton von Haugwitz die Kolonie "Louisenthal" aus dem Teil des Glas- Vorwerks (ehemals Glashüttengut). Vorwiegend wohnten dort Leinenweber, welche mit Vertrieb bedacht wurden. In Niederhausdorf gründete Baron von Stillfried mit ähnlichen Rechten 1782 die Kolonie Liergrund.
Die Herrschaft von Stillfried in Ober- und Niederhausdorf
Im Jahre 1787 befanden sich beide Dorfteile in den Händen der Familie von Stillfried. Im gleichen Jahr waren in Oberhausdorf 2 Vorwerke, 2 Wassermühlen, 1 Färberei und Bleiche. Unter den Einwohnern waren bis 55 Hauswebereien und 5 Bergarbeiterfamilien. Das Niederdorf besaß ein Vorwerk, 1 Wassermühle, 1 Bleiche und Färberei, und eine Pechkocherei. Dazu kamen 48 Hauswebereien und 10 Bergarbeiterfamilien. Michael Raimund von Stillfried errichtete im Jahre 1784 die Grube "Friedrich" und 1785 die Grube "Florian", welche er später vereinigte. Sie bestanden aber nicht lange. Im Jahre 1790 wurde August von Stillfried, der Sohn des Michael von Stillfried, Eigentümer von Oberhausdorf. 1793 errichtete er die Grube "Ferdinand", welche sich als langfristiges Unternehmen zeigte. Die Kohleförderung erfolgte bis 1921.
Die neue Glashütte
In der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts wuchs der Bedarf an Glas im polnischen Königreich. Nach den schlesischen Kriegen kamen die Lieferungen traditionell aus Böhmen. Die verbliebene Glasproduktion war durch die neuen Grenzen erschwert. Aus diesem Grund entschloss sich Josef von Stillfried, ein Glaswerk am Köhlerberg zu errichten. Die Technologie war schon modernisiert: Die Öfen konnten mit Steinkohle befeuert werden. Es war die erste Hütte in der Grafschaft Glatz und die erste der 3 Hütten in ganz Schlesien. 1797 wurde der Betrieb aufgenommen. Die Hütten waren viele Jahre länger in Betrieb, als die Herrschaft der Familie von Stillfried in Hausdorf andauerte. Die nächsten Inhaber waren Mieter dieser Hütte, aber gute Ergebnisse blieben aus. Der letzte Wechsel erfolgte 1812. In den nachfolgenden Jahren wurden die Gebäude von einer Brauerei und Schnapsbrennerei übernommen.
Von Hand zu Hand
Die Verbindung der beiden Dorfteile hat, wie voraus zu sehen war, nichts für den Wohlstand der Einwohner gebracht. Größtes Gewicht hatten die Napoleonischen Kriege. Die Herrschaft von Stillfried wurde durch den Krieg ruiniert. Durch die von den Franzosen auferlegten Kontributionen war Friedrich von Stillfried gezwungen, die Grundstücke wegen des Rückstandes von Zahlungen zu verkaufen. Der Verkauf hatte zur Folge, dass die herrschaftlichen Anwesen liquidiert und aufgeteilt wurden. Nach 336 Jahren endete die Herrschaft derer von Stillfried in Hausdorf. Die Landwirtschaft ging den Weg zum Kapitalismus. In dieser Zeit wechselten die Eigentümer häufig. 1808 kaufte der Baron Ernst Sigismundis von Johstown (aus Mittellangendorf) Hausdorf. Aber bereits 4 Jahre später verkaufte er Hausdorf wieder. Ein Landrat, Friedrich Julius von Bonge, kaufte Hausdorf für längere Zeit. In den 30er Jahren fanden sich dann neue Käufer, welche fast 100 Jahre das Dorf in Besitz hatten.